Der Hammer und die Einbildung

Georg Kirschstein
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Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, aber nicht den Hammer. Der Nachbar hat einen, das weiß er. Also beschließt er, hinüberzugehen und sich beim Nachbarn dessen Hammer auszuborgen.

Doch während er dies erwägt, kommen ihm Zweifel: Was, wenn ihm der Nachbar den Hammer nicht leihen will?

„Gestern schon grüßte er mich nur flüchtig“, dachte er, „vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan, der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Menschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich!“

Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er überhaupt „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Dann behalten Sie Ihren Hammer doch, Sie Blödian!“

nach Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“

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