Negative Gefühle verarbeiten. Der Umgang mit Gefühlen.

Georg Kirschstein

Wir alle haben sie und wir alle brauchen sie. Doch wollen wir am liebsten auf die negativen von ihnen verzichten.

Negative Gefühle möchte man doch einfach nicht haben. Aber auch sie sind wichtig für uns und förderlicher als wir denken.

Und egal was man macht, um sie zu verdrängen, sie kommen wieder und werden lauter und lauter. Irgendwann wuchern sie gar zu psychosomatischen Problemen heran und können uns letztendlich schaden.

So oft der Mensch es auch in der heutigen Zeit versuchen mag, er kann sich den Gesetzen der Natur nicht entziehen.

Druck erzeugt Gegendruck.

Jeder Effekt hat einen Gegeneffekt, so auch die Verdrängung.

Ein Gefühl krampfhaft weg haben zu wollen, funktioniert einfach nicht. Generell wird es dadurch einfach nur noch schlimmer.

Alles im Inneren, wogegen du an kämpfst, häuft sich letztendlich vor dir auf

Es ist als ob die Gefühle sagen wollen “Hey, beachte mich. Ich tu dir nichts, aber nimm mich gefälligst ernst. Ignorieren mich nicht. Ich will dir etwas sagen und dir helfen. Nimm mich an, dann werde ich dich auch nicht lange lästigen“.

Für den Moment scheint der Alkohol oder jegliche andere Ablenkung gut zu tun. Aber in Wirklichkeit füttert man dadurch nur noch mehr das Gefühl, welches man eigentlich nicht fühlen möchte.

Darauf folgt dann der wachsende Berg, welcher nun mit immer mehr Kraftaufwand verdrängt werden muss. Von Tag zu Tag, Monat zu Monat, wird es schwerer diese stetig wachsende Last mit sich herum zutragen.

Nebengefühle

Negative GefühleDurch das Verdrängen der eigentlichen Gefühle entstehen weitere, zusätzliche negative Gefühle. Zum Beispiel Unbehagen, Angst, innere Unruhe.

Kämpfen wir gegen einen Gedanken oder ein Gefühl an, dann entsteht zwangsweise auch immer Unruhe.

Auch wenn wir einer Situation entfliehen wollen oder einen Zustand nicht haben möchten, entsteht Unruhe in uns.

Zwang, Widerstand und negative Gedanken sind große Unruheherde.

Möchte man nicht so sein wie man gerade ist, oder nicht sein, wo man gerade ist, entsteht Unruhe.

Auch wenn man tendenziell nur im Gestern oder im Morgen lebt, wird sich im Hier und Jetzt innere Unruhe ausbreiten.

Ein Kampf gegen seine Gedanken und Gefühle endet immer in einer Sackgasse und beschleunigt gar die Ausbreitung der negativen Gefühle samt ihrer Begleiterscheinungen.

Kein Mensch kann dem Schatten entrinnen. Lichtarbeit alleine ist nichts als Verleumdung der Natur und Menschlichkeit. Das Leben braucht Licht und Schatten, Tag und Nacht, hell und dunkel, Yin und Yang.

Wahre Stärke ist es, sich seinen Schattenseiten zu stellen und daran zu wachsen.

Dort wo NUR Licht ist, gibt es nichts anderes, keine Materie, kein Leben und auch nicht dich. Stehst du jedoch im Licht, so entsteht auch immer Schatten.

Wenn wir nur ins Licht sehen, dann werden wir geblendet.

Wenn wir nur den Schatten sehen, dann gehen wir ein.

Zum Glück können wir uns bewegen, unseren Kopf drehen und unsere Blickwinkel öfter mal verändern.

Der gesunde Umgang mit Gefühlen

DepressionDer richtige Umgang mit negativen Gefühlen macht sie viel weniger belastend für uns. Man kann sich viel Leid ersparen, indem man dies besser früher als später lernt umzusetzen.

Anstatt den Berg also weiter anzuhäufen und viel Kraft, Energie und Zeit in das Verdrängen zu investieren und dadurch zu riskieren krank zu werden, können wir uns das Leben deutlich effektiver und angenehmer gestalten.

Und das ist langfristig gesehen stärker und gleichzeitig auch einfacher als das Verdrängen.

Egal was man über Glück, Selbstfindung und Zufriedenheit im Leben liest und lernt, am Ende kommt alles immer auf dasselbe hinaus.

Bewusster leben. Weniger verdrängen. Mehr im Hier und Jetzt sein.

Hinschauen. Wahrnehmen. Beobachten. Benennen.

Annehmen, was gerade da ist. Im Äußeren, sowie im Inneren.

Auch bekannte Persönlichkeiten, Ärzte, Psychologen, Therapeuten, spirituelle Lehrer usw. sind sich in dieser Hinsicht einig.

Ein paar der bekannten Beispiele:

Eckhart Tolle zum Beispiel, beschreibt wunderbar in seinem Buch “ Jetzt die Kraft der Gegenwart“, wie man der Beobachter seiner selbst, seine Egos und seines Schmerzes werden kann und dadurch lernt mit all dem umzugehen.

Rüdiger Dahlke, beschreibt besonders in seinem Buch “die Schicksalsgesetze“, wie wichtig die Polarität im Leben ist. Und wie wertvoll auch der Schatten sein kann.

Robert Betz betont immer wieder, die Wichtigkeit des Annehmens und hat dies mit dem wunderbaren Satz “Es darf jetzt da sein“ verdeutlicht.

Sie alle haben Recht.

Es darf jetzt da sein

Negative GefühleGefühle, wie Angst, Schmerz, Trauer, Ärger, Scham, Schuld oder negative, verrückte oder gar erschreckende Gedanken, all das ist normal. All das ist Teil von dir und jedem anderen Menschen auch.

Und all das belastet uns nur, solange wir dagegen ankämpfen.

Gefühle reden mit uns, sie sind enorm wichtige Wegweiser und Ausdruck unserer Lebendigkeit.

Alle Gefühle haben ihre Berechtigung und ihren Sinn für uns. Entscheidend ist was wir daraus machen.

Es geht nicht darum jede missliche Lage so wie sie ist zu akzeptieren und nichts zu verändern. Sondern es geht darum, die Gefühle erst einmal wahrzunehmen, sie anzunehmen und zu deuten ohne sie wegzuschieben. Denn nur so können wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Und dieser eine Satz kann uns enorm dabei helfen.

Ja, Gefühl du darfst jetzt da sein.

Ja, negativer Gedanke du darfst jetzt da sein, so wie du bist.

Ja, Stress auch du darfst jetzt da sein.

Was sich bescheuert anhören mag, ist der einzig wahre Schlüssel zum Umgang mit den Schatten in uns.

Allein schon weil wir es zulassen, bearbeiten wir es.

Wir kämpfen nicht mehr gegen uns selbst an und allmählich hört es auf uns fertig zu machen. Die innere Unruhe und alle Nebengefühle verschwinden rasch, weil wir das Hauptgefühl annehmen.

Man lässt sich nicht mehr einschüchtern und überwältigen von seinem Inneren.

Man akzeptiert die Gefühle als Teil von sich selbst ohne sie wegzuschieben und ohne sie größer zu machen als sich selbst. Man ist nicht mehr der Sklave seiner Gefühle, sondern übernimmt wieder die Kontrolle.

Du bist nicht deine Gedanken und deine Gefühle, aber beides ist ein Teil von dir.

In dem Moment in dem du der Beobachter deiner Gefühle wirst, bist du nicht mehr das Unbehagen.

Man ist nicht mehr sein Gefühl, aber man versucht es auch nicht loszuwerden. Man nimmt es an ohne es überzubewerten. Man verdrängt es nicht, aber man ignoriert es auch nicht.

Die Kraft der Worte

Inneres Gleichgewicht im LebenDas kleine Wort “Aha“, kann dabei eine wunderbare Stütze und Bekräftigung der Beobachtung sein.

Aha, ich fühle mich gerade ängstlich, wütend, unruhig,…

Aha, du Trauer, Schmerz, Angst bist jetzt gerade wieder da.

Du darfst jetzt da sein.

Jetzt, da man das Gefühl angenommen hat, es wahrnimmt und ihm erlaubt zu existieren, beginnt es schon weniger belastend zu sein und wird von hier an nach und nach abklingen.

Das Annehmen der Gefühle allein ist schon ein großer Teil der Verarbeitung und alle negativen Begleiterscheinungen des Widerstandes gehen dadurch verloren.

Jedoch ist es sehr wertvoll für die Zukunft, sich noch ein bisschen mehr mit dem Gefühl zu beschäftigen und ihm noch ein bisschen weiter zu zuhören.

Folgende Fragen können bei der weiteren Analyse von Gefühlen helfen

Warum ist das Gefühl jetzt gerade da?

Welches Ereignis könnte das Gefühl ausgelöst haben? Dies kann ein aktuelles Ereignis sein, oder eines, welches schon weit in der Vergangenheit liegt.

Welche meiner Gedanken füttern dieses Gefühl immer wieder? Was habe ich gerade zuvor gedacht?

Unser Gedanken dabei sind immer entscheidend.

Die Umformulierung jener Gedanken und das weitere verarbeiten der auslösenden Ereignisse ist ein großer Schritt zum glücklicheren Leben.

Hierbei kann die Hilfe eines Therapeuten eine große Stütze sein.

ZusammenfassungInneres Gleichgewicht im Leben

  1. Erkennen, benennen: Aha, Gefühl ….. du bist jetzt da.
  2. Annehmen: Du darfst jetzt da sein.
  3. Deuten: Wo spüre ich es am meisten? Was macht es mit mir? Woher kommt es? Welche Gedanken sind verknüpft?
  4. Lösungswege erarbeiten: Ereignisse betrachten, bearbeiten, verarbeiten. Gedanken verändern und negative Überzeugungen auflösen (Am besten in Therapie)

Verdrängung nützt nichts. Ein Leben ohne Gefühle funktioniert nicht. Besser wir lernen mit ihnen umzugehen und zu ihnen zu stehen. Auch wenn sie manchmal schmerzen, sie sind ein wichtiger Teil von uns.

Sei nicht mehr der Gegner der Gefühle, sondern werde ihr Freund und Beobachter. Dann können Sie dir nichts, außer dir weiterhelfen, dir neue Türen zeigen und Wege weisen. Sie sind nur Besucher und normalerweise nicht zum bleiben gedacht. Sie gehen vorüber, sobald sie gehört und wahrgenommen wurden.

Denn Gefühle sind die Stimme deines Herzens. Ohne sie bist du nicht lebendig.

Sie dürfen da sein.

 

In diesem Sinne, alles Liebe, Georg. 

 

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11 Kommentare

  1. Christina Schindler

    Es ist so wahr – sobald man anfängt Gefühle wahrzunehmen statt sie zu verdrängen, lassen sie bereits nach.

    Man sollte sich aber auch bewusst machen, dass negative Gefühle in der Regel einen Sinn haben und sehr hilfreich sein können.

    Verdrängen ist ein sehr typischer Impuls bei schlechten Gefühlen, aber alles in allem kann man so unglaublich viel Gewinnen, wenn man sich einen gesunden Umgang mit den eigenen Gefühlen aneignet.

    Danke für die nette Zusammenfassung.

    Alles Liebe,
    Tina

    Antworten
  2. Thomas Rudolf

    Perfekt auf den Punkt gebracht! Beschäftige mich seit Anfang des Jahres mit den Themen Gefühle und Gedanken. Hab mir den Artikel ausgedruckt und werde ihn immer wieder lesen

    Antworten
    • Georg Kirschstein

      Das freut mich sehr Thomas. Danke

      Antworten
  3. Marcel B.

    Danke!

    Antworten
  4. Anonymous

    Kann ich nur bestätigen,es befreit,macht ruhiger,wenn seine Gefühle und Gedanken annimmt,ausschließlich Öle,negativ wie positiv.

    Griuss Lars

    Antworten
  5. Anonymous

    1+++ :)thx

    Antworten
  6. Jule

    Vielen Dank für die wirklich gute Zusammenfassung. Das werde ich mir regelmäßig durchlesen. Bei mir äußern sich die Gefühle bereits über den Körper und dann beginnt meist ein Teufelskreis. Angespanntheit, schlecht Luft kriegen, Kopfschmerzen, häufige Infekte: der Körper bringt die Emotionen zu Tage. Ich übe mich nun im Zulassen, Akzeptieren und Spüren. Danke 🙂

    Antworten
  7. Bettina Brauer

    „Das darf jetzt da sein.“ ???????? Darf? Wer bin ich eigentlich, dass ich mir anmaße, darüber zu befinden, was da sein darf? Es IST einfach da. Ob es erlaube oder nicht. Punkt. Es geht nichts über radikale Akzeptanz!

    Antworten
    • Georg Kirschstein

      Danke Bettina

      Antworten
    • Christian

      Na ja, gemeint ist: Man soll es zulassen und akzeptieren, auch wenn es scheiße ist und verdammt weh tut. Vielleicht setzt dann eine heilsame Wirkung ein. Man sollte aber STARK GENUG SEIN, DAS GEFÜHL ERTRAGEN ZU KÖNNEN!!! Der Ursprung dieses Gefühls sollte auch klar sein, um nicht in Verwirrung zu geraten.
      LG

      Antworten
  8. Lisa

    Danke!!

    Antworten

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