Der innere Kritiker, Motivator, Antreiber und Zerstörer.

Georg Kirschstein

Er ist da.

In uns allen. Und er quält Menschen viel zu oft.

Was er will, ist klar und sein Grund nicht nur schlecht. Doch er strebt viel zu oft nach etwas, das nicht existiert (zumindest nicht in unserem Universum).

Er strebt nach Perfektion, nach Unermüdlichkeit, nach permanenter Produktivität, unerschöpflicher Leistung und stetigem Gelingen.

Teilweise angetrieben auch durch andere (Mitmenschen, Vorbilder, Internet- und TV-Scheinwelten, Facebook, Instagram Posts, Bücher usw.), die vielleicht schon haben, was man sich wünscht. Doch sind diese anderen denn zufrieden, wenn Er sie dahin gebracht hat, wo sie einst hinwollten? Die Wahrscheinlichkeit ist oft leider gering, wenn Sie nicht rechtzeitig sein Spiel bemerken und verstehen auch zu genießen, was sie erreichten.

Denn Er ist nie am Ziel. Nie komplett zufriedenzustellen. Es geht immer mehr, immer besser, immer weiter für diesen oft präsenten Anteil in uns.

Fehler machen, Genießen, Pausieren anerkennen, wertschätzen – alles Dinge, die Er nicht akzeptieren will und kaum aushalten kann.

Es macht keinen Unterschied, wie viel jemand erreicht hat. Und schon gar nicht, wie viel man besitzt. Das Gefühl ist am Ende immer das gleiche.

Man wird nicht satt. Und so nicht zufrieden, nicht glücklich.

Ziele Erreichen allein macht kaum glücklicher als gar keine Veränderung. Lediglich die Wachstumsanstrengung und das, was man lernen muss und lernt auf dem Weg zu jedem Ziel, ist das eigentlich Glücklichmachende.
Das Ziel selbst sorgt nur für Glück, wenn man seinen inneren Kritiker versteht und im Zaum hält.

 

Grob gesehen gibt es drei markante Typen von Menschen in diesem Bereich, bei denen der Umgang mit ihrem inneren Kritiker und Antreiber nicht in Balance ist.

1. Die Resignierer.

Die, die kaum daran glauben Ziele zu erreichen und somit auch kaum Anstrengung unternehmen. Nach dem Motto „Warum etwas probieren bzw. riskieren, das wird doch sowieso nichts“. Dieser Typ entwickelt sich oft nur langsam weiter und erlebt weniger im Leben. Hat wahrscheinlich aber weniger Stress und Druck mit dem inneren Kritiker.
(Zu schwacher innerer Kritiker bzw. Antreiber. Eventuell aber auch Ängste etwas zu riskieren, wenig Vertrauen bzw. Selbstvertrauen möglich. Sie wollen oft nicht weiter streben.)

2. Die Perfektionisten.

Die, die vor Perfektionsdruck nicht selten zusammenzubrechen beim Versuch loszulaufen, weil sie alles (über) richtig machen wollen. Sie können auch in eine Art Angststarre, bei der nicht viel vor und zurückgeht, fallen. Angst vor dem Fehlermachen, Angst vor dem Scheitern usw.
(Viel zu starker, aggressiver innerer Kritiker. Mehr innere Unruhe, weil wirklich Dinge verändert werden möchten, es aber unter dem Perfektionsdruck nicht machbar erscheint. Sie können oft nicht so wie sie wollen.)

3. Die Nimmersatten.

Die, die sich zielstrebig ohne viele Zweifel auf den Weg zum nächsten Ziel begeben, einmal angekommen sofort etwas Neues brauchen und das Ziel kaum genießen oder wertschätzen können. (Unbeachteter, ungebremster innerer Kritiker bzw. Antreiber. Sie sehen nicht, was sie wollten und auch nicht, was sie erreicht haben.)

Natürlich gibt es noch mehr Abwandlungen. Und jeder kann mal mehr mal weniger dieses oder jenes Verhalten aufzeigen (Das kann auch von Tag zu Tag anders sein). Und im besten Fall daraus lernen und es besser machen in Zukunft.

Da den meisten Menschen im Inneren nicht alles egal ist, was sie schaffen (auch wenn es von außen manchmal den Anschein hat) und sie insgeheim wachsen und sich weiterentwickeln möchten oder zumindest etwas erleben und erreichen wollen, aber oft nicht so können, wie sie möchten, widmet sich dieser Beitrag eher der Mehrheit der Menschen. All jenen bei denen der innere Kritiker zu stark bis sehr aggressiv und erdrückend ausgelegt ist.

Wie immer ist es eine Frage der Balance. Fakt ist, wir brauchen einen Teil in uns der uns manchmal den buchstäblichen Arschtritt verpasst. Der innere Kritiker ist keineswegs also nur schlecht. Er kann auch Motivator sein und er hilft uns im besten Fall aus Fehlern zu lernen, nach vorne zu gehen, immer wieder aufzustehen, uns zu verbessern.
Er hat sein Gutes. Aber er muss beachtet werden, moderat bleiben und lernen auch mal zufrieden zu sein.
Wir brauchen ihn. Ganz ohne ihn verwahrlosen wir, wirtschaften uns herunter, lassen uns gehen, kümmern uns nicht mehr, wachsen viel weniger und boxen uns nie durch etwas durch, sondern geben viel zu schnell auf bei Hindernissen.

Aber viele Menschen würden mit einem etwas gemäßigterem inneren Antreiber- und Kritiker-Anteil im Kopf deutlich mehr Ideen umsetzen, Ziele ansteuern, Aktivitäten vornehmen. Sie würden nicht ewig überlegen und kaputt-optimieren. Sie würden einfach mal machen und loslaufen. Und am Ende mit mehr Ruhe mehr erreichen als jetzt.

Er ist oft einfach zu ungeduldig, zu hart und zu streng mit uns.

Anstatt uns zu motivieren macht er uns nieder.

Druck ist noch das Geringste was er in uns auslösen kann.

Und dafür brauchen wir noch nicht mal klar definierte Ziele und Wünsche vor Augen.

Ja, er kann uns immer fertig machen in jeder Situation, egal was wir vorhaben. Und nicht selten hat er dies auch schon bewiesen. Ruhig zu stellen ist er nur durch große Leistungen, starke Ablenkung, Drogen Alkohol oder Medikamente. Oder auch durch Totalausfall wie Depression, Burnout oder andere Krankheiten.Wer krank ist, der braucht nicht zu sehr auf ihn hören. Der hat einen der wenigen guten Gründe ihn endlich vorübergehend zu ignorieren. Und wer unter Drogen oder Alkoholeinfluss steht, der hört ihn kurzzeitig nicht bzw. kaum oder hat ebenfalls eine gute Ausrede, welche ihm erlaubt die Dinge auf Morgen zu verschieben.

Nüchtern Abschalten ist schwieriger. Denn in dem Fall ist Er ja noch zu hören und man funktioniert  ja noch hervorragend und könnte eigentlich Dinge zu erledigen.

Egal welche Abschalt-Strategie man wählt, es wird immer die falsche sein.

Denn er sitzt in unserem Kopf. Wir müssen mit ihm leben und sollten mit ihm reden.

Wie kann man denn sonst jemals glücklich sein, wenn er (wie bei vielen Menschen) omnipräsent und aggressiv ist?

In meinem Fall ist er zumindest still, wenn ich Geld verdient, etwas für meine Zukunft geleistet (etwas in die Wege geleitet habe), mich weitergebildet habe, im Fitnessstudio war, etwas Gesundes gekocht habe. Usw.

Ja, das macht die Tage dann ziemlich voll.

Lange bleibt er nicht ruhig und zufrieden.

Er, der uns stetig triezt.

Er hat sein Gutes, aber in vielen Fällen schießt er über das Ziel hinaus. Er lässt Leute unter ihrem Perfektionismus zusammenbrechen oder erstarren. Er treibt uns zu Höchstleistungen oder zum Burnout.

„Das muss noch besser gehen“ ist einer seiner Lieblingssätze. So redet er mit uns, egal wie sehr wir uns angestrengt haben, egal was wir erreicht haben.

Der innere Kritiker in uns.

Wir müssen endlich reden, Freundchen!

  • Du wirst mich nicht knechten.
  • Ich bin stark genug, ich brauche keinen Diktator. Du wirst mir nicht stetig ein schlechtes Gefühl mehr geben, wenn ich mal ein paar Stunden im Internet gesurft habe, mal 3 Tage keinen Sport gemacht, mal nicht Zukunftsplänen entgegengetreten bin.
  • Ich kann nicht immer nur durchpowern, funktionieren, leisten und perfekt agieren und reagieren.
  • Du wirst mich als fehlerhaftes Wesen akzeptieren müssen, das nur bestimmte Energiereserven hat, auch mal scheitert, noch viel lernen muss und genau das alles auch verdammt nochmal so Schritt für Schritt leben darf.
  • Ich frage mich, warum du so extrem bist zu vielen Menschen? Bleib endlich moderat und mach deinen Job ohne uns zu erdrücken und niederzumachen.
  • Ich weiß, du meinst es auch gut. Du willst mich antreiben zu meinen Zielen und Aufgaben.
  • Aber du erdrückst mich mit deinem Extremismus und deiner Unverzeilichkeit.
  • Ich werde nicht mehr abrutschen in Faulheit und Bequemlichkeit, ich werde wachsam sein und nicht auf der Stelle treten.
  • Ich werde die Komfortzone immer wieder verlassen.
  • Und ich werde mich auch weiterhin Ängsten stellen und diese überwinden.
  • Ich will und werde keine Depression entwickeln, keinen Burnout, keine Suchterkrankung oder etwas anderes, nur um dich zum Schweigen zu bringen oder mich dahinter verstecken zu können.
  • Ich stelle mich den Herausforderungen und der Verantwortung für mich und mein Leben.
  • Und ich stelle mich dir meinem inneren Kritiker.
  • Ich bin gesund, ich bin stark, ich werde dich bändigen.
  • Ich bestimme ab jetzt die Richtung und Vorgehensweise.
  • Du darfst mich weiterhin daran erinnern aktiv zu bleiben, gesund zu leben, das richtige zu tun, meinen Zielen auch entgegnzugehen.
  • Aber schrei mich nie mehr an.
  • Höre auch auf die anderen Anteile meiner Persönlichkeit.
  • Sei auch mal mit kleinen Schritten zufrieden.
  • Vertraue mir.
  • Lass mich auch Mal rasten und entspannen ohne stetig anzuklopfen.
  • Danke.

Ich werde dich im Auge behalten.

Wie aggressiv ist dein innerer Kritiker zurzeit?

Treibt er dich sanft an, pushed er dich zu sehr?
Ist er aggressiv und macht dich nieder?
Nimmst du Aufputschmittel, um seinen Vorgaben hinterher zu kommen?
Nimmst du Substanzen um ihn ruhigzustellen oder der Verantwortung ihm zuzuhören zu entfliehen?
Was macht ihn momentan so, wie er ist?

Welche Glaubenssätze füttern ihn besonders?
Sind es Träume bzw. Ziele, der Glaube an ein besseres Leben, wenn man sich nur genug aufreibt?
Sind es die tollen Errungenschaften anderer?
Ist es die eigene (womöglich verzerrte falsche) Erwartungshaltung  oder die Erwartungen anderer?
Nicht selten besteht ein Großteil des inneren Kritikers auch immer noch aus den strengen, unzufriedenen Eltern, die einem buchstäblich immer noch auf der Schulter sitzen und motzen.
Andere erwarten manchmal auch Dinge, die sie selbst nicht imstande sind, leisten zu können oder zu wollen. Man selbst erwartet manchmal zu viel von sich. Und manchmal traut man sich zu wenig zu.

Ab wann ist er zufrieden mit dir?
Was musst du dafür geleistet haben?
Ist er jemals zufrieden?
Erlaubt er dir natürlich zu sein und Fehler zu machen?

Wenn man nie zufrieden mit sich ist, kann man auch nicht glücklich sein.

Oft ist der blockierende Part zum Glück genau dort zu finden, bei ihm, dem inneren Kritiker.

Versuche ihn nicht ruhig zu stellen. Sieh ihn dir an, konfrontiere ihn, so oft du kannst. Schon das bändigt ihn.

Du bist der Herrscher deiner Lebenszeit, deines Willens, deiner Kraft, deiner Ziele und Träume, deiner Fantasie und deines Tatendranges.

Er verhindert, dass wir Fehler ständig wiederholen, dass wir uns hängenlassen und er sorgt dafür, dass wir wachsen. Doch er darf nicht darüber hinausschießen, durchdrehen, überreagieren, ungesunden Dauerdruck auslösen. Er soll ein sanfter Antreiber sein, aber uns nicht erdrücken.

Finde die Balance, jeden Tag aufs Neue, durch regelmäßiges, bewusstes Beobachten.

Watch him.

 

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2 Kommentare

  1. Avatar

    So ein „Freundchen“ wohnt bei mir auch 🙂 Schöner Artikel!

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  2. Avatar

    Diese chronische Unzufriedenheit…

    Antworten

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