Ich bin Mensch – das reicht doch, oder?

Karen Laubinger

Mein Opa fragte Menschen, die er neu kennenlernte, immer zuerst: „Und, was schaffstn du?“ (hochdeutsch: Wo arbeitest du? 😉 ) Oder noch beliebter war: Wo schaffstn du?“
Und dann meinte er, den Menschen zu kennen.

Ich habe mal gewagt, ihm und meiner Oma (die mich, damals etwa 30-jĂ€hrig, mit den Worten: „Du siehst ja immernoch aus wie ein SchulmĂ€dsche!“ begrĂŒĂŸte) zu antworten : „Ja, ich bin SCHÜLERIN DES LEBENS.“

Damit konnten die beiden natĂŒrlich nichts anfangen. Also prĂ€zisierte ich: „Wahrscheinlich hĂ€lt mich das so jung, dass ich mich selbst als ewige SchĂŒlerin sehe. Als Menschen, der bereit ist, jeden Tag dazuzulernen. Es heißt doch so schön: Man lernt nicht von der Schule, sondern vom Leben.
(Naja, zugegeben habe ich den Spruch kennengelernt als „Man lernt nicht fĂŒr die Schule, sondern fĂŒrs Leben.“ Aber so ist’s doch viel treffender, oder 😉 ?)

Das haben die beiden zwar etwas komisch gefunden, konnten es aber akzeptieren. Denn Hauptsache, die Enkelin ist glĂŒcklich und gesund.

Uns sollte interessieren, ob Menschen glĂŒcklich sind, nicht (nur) was sie beruflich machen

Nichtsdestotrotz erlebe ich es in unserer leistungsorientierten Gesellschaft immer wieder – ganz egal, aus welcher Schicht oder Altersstufe -, dass Menschen danach eingestuft und bewertet werden, was sie denn beruflich machen.

Nicht, ob sie damit glĂŒcklich und zufrieden sind. Und auch nicht danach, ob sie generell zufrieden und gesund (und damit meine ich nicht nur die körperliche Gesundheit!) sind. Sondern nach ihrem Sozialprestige .

Was ich wirklich, wirklich schade finde.
Reicht es nicht, dass wie Menschen sind und uns darĂŒber bewusst sind? Dass wir leben dĂŒrfen? Dass wir lieben, lachen und uns ausprobieren dĂŒrfen? Dass wir etwas zum Großen und Ganzen beitragen dĂŒrfen (aber nicht mĂŒssen)?

Ist es nicht viel wichtiger, sich darĂŒber bewusst zu sein? Über das Menschsein, das Lebendigsein an sich? Das pure Lebendigsein immer wieder genussvoll auszukosten? (Das kann einfach nur die Konzentration auf den eigenen Ein- und Ausatem sein, das liebevolle BerĂŒhren des eigenen Körpers, das SpĂŒren des Bodens unter den FĂŒĂŸen…)

Es geht um IndividualitÀt, nicht um die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Berufsbild

Klar ist Arbeiten i.d.R. notwendig, um Geld zu verdienen. Schließlich braucht unser menschlicher Körper hin und wieder etwas zum Futtern 😉
Und da ist’s auch sinnvoll, ihn mit möglichst Hochwertigem zu versorgen. https://menschenfreund.net/gluecksnahrung-diese-nahrungsmittel-machen-dich-gluecklicher-dopaminseorotonin-booster/

Es ist wunderbar, wenn Menschen in ihrem Job voll aufgehen, sich selbst verwirklichen und immer wieder in den Genuss des vielgepriesenen Flow kommen. Ich kenne solche Menschen (und muss zugegebenermaßen aufpassen, es ihnen einfach zu gönnen und nicht eifersĂŒchtig zu werden. Außerdem haben auch diese Menschen ihre Sorgen und Problemchen 😉 )

Aber die meisten werden wohl wie ich nicht zu diesen „GlĂŒcklichen“ gehören, die ihre ErfĂŒllung in einem klassischen Job finden (den auch mein Opa als solchen akzeptiert hĂ€tte 😉 )

Also lasst uns vielleicht in Zukunft einfach antworten: „Ich bin Mensch – und ich genieße mein Mensch-Sein hier in diesem Leben, voller Wunder und kleiner (und grĂ¶ĂŸerer) Abenteuer!“

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4 Kommentare

  1. Avatar

    Liebe Karrn, das ist ein sehr schöner Beitrag, und ich kann dich so gut verstehen. Bin auch hochsensiriv und freue mich immer wieder ĂŒber so schöne Gedanken, die einen wieder ein wenig zurĂŒck holen. Liebe GrĂŒĂŸe an dich. Manuela

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    • Avatar

      Liebe Manuela,
      ich freue mich total ĂŒber deinen Kommentar (Das ist mein erster, den ich hier bekomme!) Ja, wir sind nicht alleine – und es tut immer wieder gut, wenn man sich verstanden fĂŒhlt 🙂
      Alles Liebe
      Karen

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  2. Avatar

    Liebe Karin,
    Deine Artikel gefallen mir sehr gut. Nachdem ich einen sicheren job gekĂŒndigt habe und Hilfsjobs angenommen habe um mich auf das zu konzentrieren, was mich glĂŒcklich macht, verhielten sich meine Freunde wie Feinde. Mir zeigte es, wer mich und mein ich wirklich schĂ€tzte und akzeptierte. Nach jeder VerĂ€nderung meiner Lebenssituation musste ich diese Erfahrung machen. WĂ€hrend ich mit meinen Leuten mitlitt oder mich mit Ihnen freute, missgönnten sie mir mein GlĂŒck oder hauten noch drauf, wenn das Leben zuschlug. Umso mehr genieße ich es heute, wenn ich meine Lieben um mich habe und Menschen begegne, die Ă€hnlich ticken. Schön, dass es diesen Blog gibt. Liebe GrĂŒĂŸe

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    • Avatar

      Liebe Corinna,
      ganz lieben Dank fĂŒr dein Kompliment *hĂŒstel* Ich kann dich nur darin bestĂ€tigen, DEINEN Weg zu gehen… Der muss nach außen nicht toll aussehen, der muss sich FÜR DICH RICHTIG anfĂŒhlen. Dooferweise sind wir so sehr auf dieses „Was denken die anderen?!“ konditioniert…
      Bei mir ist es manchmal sogar so, dass mich schon die Vorstellung, was andere denken könnten, also letztendlich nur mein eigenes Denken, davon abhÀlt etwas zu tun oder zumindest Scham auslöst. Echt erschreckend!
      Dabei macht nur Man-selbst-Sein und Sich-wirklich-Selbst-Leben nachhaltig glĂŒcklich 🙂
      Ich wĂŒnsche dir alles, alles Gute. Geh weiterhin selbst-bewusst deinen Weg und tu, was wirklich zu dir passt und dich erfĂŒllt
      Karen

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