Gastbeitrag: Geld und Freundschaft: Beim Geld hört die Freundschaft auf?

von Nov 8, 2014Artikel, Gesellschaftsthemen

freunde fuers leben

Wer deine Freundschaft wegen Geld aufgibt, war nie ein wirklicher Freund.

„Beim Geld hört die Freundschaft auf“ und „Geld regiert die Welt“. Wer kennt diese Zitate aus Volksmund nicht?

Sie logisch zu analysieren, würde mit einfachen Worten bedeuten, nicht mehr an Freundschaft zu glauben. Denn jede Freundschaft würde aufhören, sobald von Geld die Rede ist. Braucht nun der Mensch Geld mehr als eine Freundschaft? Wie Wert ist eine Freundschaft für unser Wohlbefinden? Wer ist unser Freund?
Wir suchen uns unsere Freunde aus.

Die Menschen. Tolle Wesen, die ohne ein gelegendliches miteinander nicht dauerhaft überleben können. Wir sind Rudeltiere und wir brauchen nur unsere Gesellschaft zu beobachten, um zu merken, wie wichtig es für uns ist, andere Menschen gelegendlich um uns zu haben, ob in einer Gruppe, einer Clique, einer politischen Partei oder einem Verein der Familie. Dieses Zusammentun verleiht uns ein Zugehörigkeitsgefühl und ist eine Bestätigung dafür, dass wir von anderen Menschen akzeptiert werden, auf die wir uns verlassen können. Doch meist koennen wir nur selten oder kaum einer Gruppe, – es sei denn in einer Therapie oder in einer Selbsthilfegruppe – unser tatsächliches Befinden anvertrauen, vor allem wenn es darum geht über unsere Schwäche zu sprechen. Daher wird von uns in der gesellschaftlichen Gruppierung ein Mensch ausgesucht, der für uns die passenden Eigenschaften hat. Dieser Mensch wird nun zum Freund ernannt. Er ist für uns da, wenn wir ihn brauchen, steht uns in schwierigen Phasen bei, ist Berater, steht hinter uns, versteht uns. Grob er lacht und leidet mit uns. Ja das ist ein Freund.
Doch in unserer pluralistischen und kapitalistischen Gesellschaft ist wahrhaftige Freundschaft keine Selbstverständlichkeit mehr. Menschen um uns beklagen ständig den Vertrauensmissbrauch von Nahestehenden, beschweren sich zunehmend über falsche Freunde oder werden von falschen Freunden in die Irre geführt und ausgenutzt. Trotzdem gibt kein Mensch auf irgendwann einen richtigen Freund zu finden. Manche Menschen suchen sogar so lange vergeblich, bis sie an schwerer Depression erkranken.
Das ganze Geld der Welt auf dem Konto und trotzdem deprimiert.

Macht Geld glücklich?

In den Schulen, unter Freunden, mit Bekannten wird immer wieder über die richtige Antwort auf diese Frage nachgedacht . Und oft einigen sich viele auf „Ja“ und „Nein“. Was ist aber wahr? Die „Ja“- Antwort stimmt, wenn uns die Frage zu einem Zeitpunkt unseres Lebens gestellt wird, in dem wir uns in der wirtschaftlichen Flaute befinden: unzählige Studenten würde also die Frage mit ja antworten. Doch in der Regel haben sie während des Studiums, trotz der Misere unzählige Freunde. Nach dem Studium, endlich im Berufsleben, mit dem bestbezahlten Job der Nation, mit einer 80- Stunden – Woche und einem gefüllten Konto, suchen sie vergeblich nach guten Freunden. Nun spaziert bei neuen Bekanntschaften die Frage „ist er/sie ein Freund/ -In oder mag er mich nur wegen mein Geld?“ durch den Kopf. Deswegen leben reichen nur unter sich und bewegen sich in angesagten Milieus mit der Hoffnung jemanden kennenzulernen, der nicht nur an Geld denkt oder die Stellen berauben will. Gerade diese Reiche, die wir so sehr beneiden, haben uns zunehmend das Gefühl gegeben, Geld würde glücklich machen und Freude bereiten. Dann fingen wir an Freunde aufzugeben, mit denen wir durch dick und dünn gingen, weil ein Streit wegen 100 Euro eines Tages unsere Freundschaft auf die Probe stellte. Geht uns aber nach einer Trennung von einem guten Freund wegen Geld besser? Nein! Schluss mit der Anbetung von Geld. Habt ihr euch aber tatsächlich wegen Geld getrennt und es gab kein zurück? Dann trauert nicht nach: Ihr wart nie wirklich Freunde.

Geld ist nur eine Probe für eure Freundschaften.
Lass das vergängliche Geld bei Seite und lebt tolle Freundschaften. Denn, dass ist Teil einer „wirklich“ glücklichen Existenz.

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Christian Fopa

Christian Fopa

Mit 19 in Deutschland eingewandert, befand ich mich gerade in einem Alter der Selbstsuche und der Suche nach einer Identität. In mir bewegte sich die sportliche Energie, die Lebensfreude, die Neugier und vor allem das naive Vertrauen an Menschen. Wissbegierig, Selbs motiviert und weit weg von der Familie versuchte ich mein wahres „Ich“ zu entdecken, ohne vom richtigen Weg abzukommen oder meine Ziele vom Auge zu verlieren. Daraufhin wurde dank den ehrlichen und herzlichen Begegnungen in Deutschland nach und nach aus dem schüchternen Jungen ein selbstbewusster junger Mann voller Ideen. Dass ich das Elternhaus verlassen musste, um fernab in Deutschland zu studieren, war für mich anfangs eine große Herausforderung: Alles zurücklassen, um mir ein neues Leben aufzubauen. Eine unsichere Zukunft. Doch bildete ich mir eine neue Familie in Deutschland. Meine Familie. Mit Menschen, die aus meinem Leben kaum noch wegzudenken sind und mein Alltag bereichert haben. Menschen, die mir nie das Gefühl gaben, ich sei als Migrant ein unvollständiges Glied der Gesellschaft, sondern halfen mir mein wahres Potential zu erwecken, entdecken und gaben mir ungefragt das von vielen Menschen ersehnten Zugehörigkeitsgefühl. Sie begleiteten mich durch Höhe und Tiefen, wir teilten Glück und Trauer. Mit allem Respekt waren wir gnadenlos ehrlich zueinander. Nichts hinderte uns einander die Meinungen zu sagen und so entwickelten wir uns, besonders mit meinem Bruder Georg zu wahrhaftigen „Meinungssagern“. Mit einem relativen autoritären Erziehungsstil aufgewachsen zu sein, galt ich aufgrund der Äußerung meiner Gedanken, Gegenmeinung und manchmal wirren Reflexionen für meinen Vater als Problemkind. Nun war ich an einem Ort wo ich meine Zufriedenheit zeigen konnte, aber auch immer im Respekt meine Unzufriedenheit. Dabei fing ich an unzufrieden zu sein, als ich mir zunehmend ansehen dürfte, wie die Meinungsfreiheit in Deutschland problematisch ist. Selbst in Kamerun erlebte ich kaum so viel Beschränkungen, wenn es darum ginge die Meinung zu sagen. Und schon da beschwerte ich mich. Ich hatte meine wahres „Ich“ entdeckt in einer Gesellschaft, in der viele Themen tabu sind. Wo ein Teil der Geschichte die Identität, das nationale Bewusstsein und die Menschen zerstört haben. Ich war in einem Land, das aber glaube alles über seine Geschichte zu wissen. Aber das war nicht der Fall.
Meine wissenschaftlichen Kenntnisse und kritischen Reflexionen, meine Erlebnisse und Erfahrungen als Migrant führten mich durch eine Gesellschaft, die mich faszinierte. Sechs Jahre lang, bis zu meiner Ausreise, war ich Zeuge der wunderbaren deutschen Gesellschaft. Jetzt bin ich es immer noch. Aber mit Verbesserungsvorschlägen durch Einsicht. Deutschland hat sich schwer genug mit seiner Geschichte gemacht und ließ es mich merken. Generationen später ließ man die Menschen an ihrer Schuld glauben und hielt ihnen Bilder vor den Augen. Millionen von jungen Menschen werden in die Irre geführt.

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