Gastbeitrag: Ein ausländisches Wort über das „Deutsch- Sein“: die verstümmelte Identität

von Jul 29, 2014Artikel, Gesellschaftsthemen

„Es gibt nur eine Zeit, in der es wesentlich ist aufzuwachen. Diese Zeit ist jetzt“ Buddha

deustche flaggen foto

Liebe LeserInnen, Liebe BesucherInnen,
obwohl ich bereits in einem Beitrag von Georg Kirschstein erwähnt wurde, möchte ich mich zu meinem ersten Beitrag für den Blog nochmal persönlich vorstellen. Denn ich bin der Meinung, dass die Angaben zu meiner Person wichtig für die hier behandelten Themen sein werden.

Ich bin nämlich kamerunischer Herkunft, hatte das Glück in Deutschland zu leben, studieren und die besten Freunde (Georg und Emi) aller Zeiten kennen lernen dürfte. Ich bezeichne mich nämlich als Weltbürger und dürfte im Laufe meiner vielen Reisen verschiedene Erkenntnisse sammeln, die mir schließlich halfen Deutschland besser zu verstehen, die Deutschen leider nicht.

Der Nationalstolz scheint, wie ich es feststellte, ein Fremdwort in Deutschland zu sein.

Anstatt mich auf mein BWL-Studium zu konzentrieren, abzuschließen und irgendwo zu arbeiten, wie meine Eltern es für mich vorsahen, ließ ich mich von der deutschen Gesellschaft verzaubern und beschäftigte mich gründlicher als je zuvor mit ihr. Nach zwei Jahren im wirtschaftlichen Studiengang wurde mir klar, dass es für mich sinnvoll wäre das zu machen wonach ich mich seit langer Zeit sehnte. Nämlich die deutsche Gesellschaft und Kultur zu untersuchen und zu verstehen. Ich beschloss mich ein Studium der Sprach- und Kulturwissenschaft aufzunehmen und dürfte somit ein elaboriertes und Verständnis des Landes erwerben. Doch ein Studium ist nicht alles um eine Gesellschaft zu verstehen: man braucht die Menschen, die Kommunikation, die Gespräche. Und Gespräche hatte ich genug, um festzustellen, dass sich die Deutschen mit ihrer nationalen Identität schwer tun. Ich hörte oft und fast überall, wo ich war negatives über das Land. Im Inland und im Ausland. Dabei stellte ich fest, dass nicht Ausländer

Deutschland verspotten, sondern Deutsche verspotten sich selbst. Grund dafür? Die deutsche Geschichte. Aber wie gut kennen die Deutschen ihre Geschichte, um sich damit zu identifizieren? Oder anders gefragt, welchen Teil ihrer Geschichte kennen sie? Der Teil, ab dem ein kleinwüchsiger Österreicher die Macht ergreift und auf Leichen herum hüpft? Oder der Teil, ab dem während der Kongo Konferenz einen besseren Umgang mit Ureinwohnern in Besatzungszonen von Bismarck gefordert wird? (detaillierte Informationen in meinem zu veröffentlichenden Buch „Memories from Germany: Eine Odyssee über das Deutschland der Migranten“. Suche nach einer deutschen Identität, finden).

Mein Herz schmerzte zu sehen wie die Bürger eines großartigen Landes kaum auf ihre Geschichte Stolz sein dürften, wie eine ganze Generation den Nationalstolz auf die sportliche Leistung reduziert, weil die Geschichte Schmerzen und Scham hervorruft. Wie eine ganze historische Identität dank einer der größten Verschwörung des 20. Jahrhunderts vernichtet wurde. Mein Herz schmerzte, weil Europa Deutschland unterdrückte und weiterhin unterdrückt.
Ja, es ist, war. Die Geschichte war grausam, Verbrechen wurden begangen. Im imperialistischen Kampf gab / gibt es kein Mitleid. Weder in Afrika noch in Europa. Glauben die Deutschen tatsächlich, dass Frankreich oder England keine grausamen Verbrechen in Afrika oder in Asien begangen haben? Glauben die Deutschen sie seien die einzigen, die einen Völkermord betrieben haben? Nein, bestimmt nicht. Sie wissen, dass sie nicht die einzigen sind. Sie entschuldigen sich aber für ihre Fehler. Jedoch, tun sie es so sehr, dass sie noch kaum sagen können „es lebe Deutschland“ wie die Franzosen ein „Vive la France“ rufen, die Amerikaner „God bless Amerika“ oder die Engläder „God bless the queen“.

Meine deutschen Freunde, diese Gesellschaft, die ich liebe, euch frage ich: Wann wurde die Rassentrennung in Südafrika beendet? Wer hatte es betrieben? Erkennt England seine Schuld dafür? Wohl kaum. Aber unsere Generation wächst mit einer Identitätsspychose in einem durch die Geschichte verursachten gesellschaftlichen Kollaps.
Schämst du dich Deutsche(r) zu sein? Schämst du dich für Deutschland? Dann bin ich stolz mich mit deinem Land Identifizieren zu können. Nicht weil es das Land der Denker, des guten Bieres, der schönsten Feste, der glücklichen Menschen, der starken Wirtschaft, der Erfinder, der elektronischen Musik, der Bratwurst, der Qualität, der Gründlichkeit, der Ehrlichkeit, des Schwarzwaldes, der Märchen, der schönen Sprache… Sondern, weil es Deutschland ist. Ich bin ein „Made in Germany“, und ich glaube nicht, dass jemand es heute oder morgen ändern kann.

Wort des Verfassers:
In meinen weiteren Beiträgen werde ich meine Analyse über die progressive Zerstörung der deutschen Identität in einem historischen Vergleich bekanntgeben.

 

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Christian Fopa

Christian Fopa

Mit 19 in Deutschland eingewandert, befand ich mich gerade in einem Alter der Selbstsuche und der Suche nach einer Identität. In mir bewegte sich die sportliche Energie, die Lebensfreude, die Neugier und vor allem das naive Vertrauen an Menschen. Wissbegierig, Selbs motiviert und weit weg von der Familie versuchte ich mein wahres „Ich“ zu entdecken, ohne vom richtigen Weg abzukommen oder meine Ziele vom Auge zu verlieren. Daraufhin wurde dank den ehrlichen und herzlichen Begegnungen in Deutschland nach und nach aus dem schüchternen Jungen ein selbstbewusster junger Mann voller Ideen. Dass ich das Elternhaus verlassen musste, um fernab in Deutschland zu studieren, war für mich anfangs eine große Herausforderung: Alles zurücklassen, um mir ein neues Leben aufzubauen. Eine unsichere Zukunft. Doch bildete ich mir eine neue Familie in Deutschland. Meine Familie. Mit Menschen, die aus meinem Leben kaum noch wegzudenken sind und mein Alltag bereichert haben. Menschen, die mir nie das Gefühl gaben, ich sei als Migrant ein unvollständiges Glied der Gesellschaft, sondern halfen mir mein wahres Potential zu erwecken, entdecken und gaben mir ungefragt das von vielen Menschen ersehnten Zugehörigkeitsgefühl. Sie begleiteten mich durch Höhe und Tiefen, wir teilten Glück und Trauer. Mit allem Respekt waren wir gnadenlos ehrlich zueinander. Nichts hinderte uns einander die Meinungen zu sagen und so entwickelten wir uns, besonders mit meinem Bruder Georg zu wahrhaftigen „Meinungssagern“. Mit einem relativen autoritären Erziehungsstil aufgewachsen zu sein, galt ich aufgrund der Äußerung meiner Gedanken, Gegenmeinung und manchmal wirren Reflexionen für meinen Vater als Problemkind. Nun war ich an einem Ort wo ich meine Zufriedenheit zeigen konnte, aber auch immer im Respekt meine Unzufriedenheit. Dabei fing ich an unzufrieden zu sein, als ich mir zunehmend ansehen dürfte, wie die Meinungsfreiheit in Deutschland problematisch ist. Selbst in Kamerun erlebte ich kaum so viel Beschränkungen, wenn es darum ginge die Meinung zu sagen. Und schon da beschwerte ich mich. Ich hatte meine wahres „Ich“ entdeckt in einer Gesellschaft, in der viele Themen tabu sind. Wo ein Teil der Geschichte die Identität, das nationale Bewusstsein und die Menschen zerstört haben. Ich war in einem Land, das aber glaube alles über seine Geschichte zu wissen. Aber das war nicht der Fall.
Meine wissenschaftlichen Kenntnisse und kritischen Reflexionen, meine Erlebnisse und Erfahrungen als Migrant führten mich durch eine Gesellschaft, die mich faszinierte. Sechs Jahre lang, bis zu meiner Ausreise, war ich Zeuge der wunderbaren deutschen Gesellschaft. Jetzt bin ich es immer noch. Aber mit Verbesserungsvorschlägen durch Einsicht. Deutschland hat sich schwer genug mit seiner Geschichte gemacht und ließ es mich merken. Generationen später ließ man die Menschen an ihrer Schuld glauben und hielt ihnen Bilder vor den Augen. Millionen von jungen Menschen werden in die Irre geführt.

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